Neurodermitis: Die Flucht vor dem Druck der Außenwelt

Hypnosesitzung entstand im Rahmen meiner Forschungen zur Krankheitsentstehung diverser körperlicher und seelischer Leiden. Die Forschungen helfen mir die bewusstseins-integrative Psychotherapie über das gewöhnliche Maß von Fachbüchern und Weiterbildungen weiterzuentwickeln.

Der Ansatz ist, den Probanden in Trance zu begleiten und ihn im geöffneten Bewusstseinsraum die Gründe, Zusammenhänge und Ursachen einer Krankheit untersuchen zu lassen. Dabei werden ihm die Informationen in ähnlicher Art und Weise angeboten, wie dies in tiefenpsychologischen Trance-Sitzungen mit Symbolcharakter vorkommt.

Eine Transkription einer Trance-Sitzung (Hypnose) vom 18.09.2021. Die Probandin war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt. Zeit Ihres Lebens hatte sie selbst niemals unter Neurodermitis gelitten.

Nachfolgend lesen Sie die ursprünglich aufgezeichnete Tonaufnahme als Text.

Es erfolgt eine an die Aufgabe und Situation angepasste Einleitung in die Trance (Hypnose) mit passenden Instruktionen. Daraufhin beginnt die Probandin seine Eindrücke zu schildern.

Das Interview zur Neurodermitis: Flucht vor Druck

Ich sehe vor mir so einen See, er ist ziemlich rund umgeben von Wald.
Richtig dichtem Nadelwald. In der Mitte der See ist ganz ruhig und die
Sonne spiegelt sich wieder. Es fühlt sich schön an aber zugleich
irgendwie bedrohlich weil dieser Wald drumrum halt so dicht und dunkel
ist.
Man hat das Gefühl so, die … so irgendwie … man wartet das was passiert
so.

Und empfindest Du selbst etwas?

Unsicherheit. Ob ich dem was vor mir ist trauen kann und also in dem
Wald ist etwas unheimliches. So dieses Schöne und dann dieses … was
ich nicht sehen kann. Also ich kann die erste Baumreihe sehen und
dahinter dunkel.
Und irgendwie hat man das Gefühl, dass der Wald immer näher kommt und den
See so einkreist. Das ist irgendwie beengt. Das ist kein natürlicher Fluß.
Das Wasser steht auch, es bewegt sich nicht, keine kleine Wellen oder so.
Es fühlt sich nicht gut an.

Was machst Du da jetzt?

Also ich stehe an diesem Fluß, an dieser einen Seite da. Und ich
schaue eher zu den Bäumen als ins Wasser. Und ich stehe so mit einem
Bein fast im Wasser schon, weil es so bedrohlich ist, es kommt immer
näher.
Als wenn ich von der Dunkelheit so verschluckt werde.

Bist Du da allein?

Ja.
Das ist so als ob die Bäume ins Wasser treiben wollen, dass man unter geht.
Ich sehe auch nicht wie tief das Wasser ist.
Ich gehe immer mehr ans Wasser. Es ist unausweichlich.

Was kann das denn so symbolisieren? Was kann das so mit dem Leben zu
tun haben?

Das ist Außen irgendwie so. So Druck von Außen kommt, dem man nicht
standhalten kann und dabei selbst untergeht. Es gibt keinen Zaun,
keine Abgrenzung um den Wald, der ihn irgendwie aufhält. Also das
Außen dringt immer mehr ein, aber anstatt das da was ist was aufhält
und mich zwischen ertrinken … ja, was mich rettet und was mich da
stehen lässt einfach … also ich kann die Schönheit von dem See nicht
genießen … von der eigenen Tiefe sondern ich bin nur im
Abwehrmechanismus.

Was genau wehrst Du denn ab?

Diesen Druck … dieses Geschoben werden. Und ich wehre nicht mal ab,
ich kann eigentlich nur zugucken. Das Außen, dass so bedrohlich ist,
durch das ich nicht hindurch gucken kann. So erscheint es mir
jedenfalls … ich sehe keinen Weg.
Aber der Fluß muss ja irgendwo herkommen, oder der See. Es muss vielleicht
einen Weg geben, ein kleines Rinnsal. Das könnte ich suchen. Und ich sehe
es auch. So ein ganz kleiner, dünner, schmaler … kleines schmales Flussbeet
… was so silbern zwischen den Bäumen glitzert.
Da sind die Bäume auch nicht so eng … aber es ist immer noch sehr dunkel.

Und was machst Du jetzt?

Ich könnte probieren da durch zu gehen, aber ich muss mich ziemlich
klein machen.

Warum klein machen?

Die Bäume sind so … die wachsen bis ziemlich nah an den Boden und
die sind ziemlich stark verästelt. Also ich kann gebückt gehen, ich
muss nicht kriechen.
Also ich sehe … je tiefer ich rein gehe, desto dunkler wird es. Es fühlt
sich nicht gut an.
Es ist wieder dieser Druck von links und rechts.

Durch die Bäume?

Durch … ja … und durch das Dunkel. Und es wird kühler und … ich
muss mir selber gut zu reden um mir Mut zu machen. Weil alleine ist
das wirklich nicht einfach.
Es fühlt sich an als ob es nie endet. Ich überlege schon zurückzugehen.

Okay.

Aber ich weiß nicht wo ich raus komme.

Was empfindest Du?

Irgendwie immer mehr Angst. Ich fühle mich einfach unwohl. Ich hätte
gerne Licht.

Und diese Angst die Du empfindest, ist das eine Angst vor etwas
Bestimmten oder etwas Unbestimmten?

Eher unbestimmt. Dass ich irgendwie von der Dunkelheit verschluckt
werde … so … dass ich mich so sehr verlaufe, dass ich nicht mehr
zurückfinde.
Dass ich mich selbst verliere.

Und jetzt kann sich eine Situation, eine Momentaufnahme, eine Phase
des Lebens aufbauen, die Du selbst schon mal erlebt hast, die ähnlich
ist, zu dieser Symbolik passt.

Was taucht da auf?

Vielleicht sind da auch nur Gedanken an etwas.

Einfach nur, dass ich den falschen Weg gehe. Oder … nicht den
falschen, aber … dass ich etwas folge, wo ich nicht ganz weiß, wo es
mich hinführt.
Ich habe nicht den Weg oder mir selbst vertraut, sondern Angst kriege und
Zweifel. Und überlege mittendrin aufzuhören, zurückzugehen.
Weil ich es nicht aushalte an dem Ort, an dem ich bin. Weil ich denke,
vielleicht an dem Ort ist etwas schlecht, und ich muss da weg. Obwohl ich
einfach da sein kann, und das was an dem Ort passiert ist nur eine Momentaufnahme
ist. Und ich einfach nur krampfhaft einen Ausweg suche.

Und was kommen da so für Assoziationen, wenn Du da so an dein eigenes
Leben denkst, dass Du bisher lebt hast, das Du bisher erinnern kannst.

Mein Studium. Oder auch einfach … zu reisen … oder nach Australien
zu gehen. Einfach nur um von hier wegzugehen. Irgendwas folgen, von
dem ich dann dort nicht mehr wusste was ich überhaupt … wem ich
folgen wollte … was ich folgen wollte.
Aber ich wusste ich kann nicht mehr zurück. Oder ich dachte ich kann nicht
mehr zurück.

Und dann schau einfach mal wie es mit dem jetzigen Leben ist, was Du
kannst, was Du nicht kannst.

Ich kann aushalten. Weil ich weiß, dass sich Situationen ändern. Und
annehmen was ist, und nicht einfach weglaufen wollen nach Vorne und
irgendwas suchen wodran ich mich festhalte und aus der Situation
entfliehen. Vermeintlich Schutz suchen, Sicherheit … die es Außen
irgendwo gar nicht gibt.

Und kannst Du da Dir jetzt vorstellen, zu diesem See zurückzugehen, zu
schauen wie es sich mit Deiner Erkenntnis, deinem Denken decken kann.

Jetzt hat der See ein Ufer, das breiter ist. Und es wächst so Gras am
Rande vom Wald.

Und was empfindest Du jetzt?

Da ist mehr Platz.

Ja, da ist mehr Platz.

Und die Bäume drängen nicht mehr so sehr ans Wasser. Da ist mehr Platz
dazwischen. Ich kann auch durch das Gras laufen oder am Ufer lang.
Es fühlt sich nicht mehr so bedrohlich an.

Und wenn Du jetzt einfach mal so diese Wahrnehmungen, diese
Empfindungen dort jetzt auch wieder so auf das Leben, dass Du gelebt
hast überträgst.
Zu welchen Wahrnehmungen, zu welchen Gedanken kommst Du da?

Um halt diese Situationen auszuhalten, da zu bleiben wo ich bin. Weil
alles irgendwie so im Fluss ist, nichts drückt für immer. Irgendwann
lässt der Druck nach, und ich habe wieder Platz für mich. Und ich kann
wieder mehr ich sein. Ich muss nicht hier weg. Um ein schönes Leben zu
haben. Ich gestalte das.

Und was ist da wichtig? Vielleicht eine Eigenschaft, eine Einstellung
zum Leben? Was ist da wichtig?

Vertrauen. Vertrauen ins Leben. Und Geduld.

Dann nimm Dir einfach noch etwas Zeit Deinen Gedanken nachzuspüren,
diese Erkenntnis in Dich aufzunehmen.
Was empfindest Du jetzt?

Nur innere Ruhe. Als ob ich mir einfach meiner inneren Kraft bewusst
bin, Situationen aushalten zu können. Einfach nur ganz ruhig.

Ja, und wenn Du jetzt mit dieser Empfindung, dieser Einstellung zum
Leben nochmal zum See schaust?

Ich habe keine Angst mehr. Ich kann jetzt den See anschauen, muss
nicht mehr die Bäume anschauen.