Das Endom – Erste Herleitung aus dem Enneagramm

Das Endom entwickelte sich in einem über Jahre andauernden Forschungsprozess zum einem aus dem Enneagramm und zum anderen aus dem kabbalistischen Lebensbaum. In diesem Artikel möchte ich vorrangig im Kontext des Endom auf die 1. Herleitung aus dem Enneagramm eingehen. Diese Herleitung ist nicht als Einführung in das Enneagramm aufzufassen, sondern soll den Weg aus dem Enneagramm in eine Vorstufe des Endom`s skizzieren.

Enneagramm – Der Einheitskreis
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Das Enneagramm-Symbol

Das Enneagramm (von altgriechisch ἐννέα, ennea, „neun“, und γράμμα, gramma, „das Geschriebene“)ist ein esoterisches Symbol, auf welchem sich in einem Einheitskreis 9 verschiedene Enneagramm-Typen verteilen. Dieses Symbol unterscheidet und ordnet Persönlichkeitsstrukturen und setzt diese untereinander in Beziehung.

Eine erste gute Einführung zum Enneagramm findet sich auf Wikipedia.

Im psychologischen und psychotherapeutischen Rahmen, im Sinne der Selbsterkenntnis des Menschen, gehe ich nachfolgend unter diesem Gesichtspunkt in die Abhandlung und Herleitung.

Diese 9 verschiedenen Enneagramm-Typen (kurz: Ennea-Typen) werden als Persönlichkeitstypen und Charakterfixierungen bezeichnet.

Bei diesen 9 verschiedenen Ennea-Typen geht es im Wesentlichen die hinter dem Verhalten liegende Motivation zu dem jeweiligen typbedingten Verhalten zu erkennen. Das Verhalten des Menschen ist zweitrangig im Ergründen des eigenen Enneagramm-Stils, im Vordergrund steht die Frage, was einen Menschen dazu bringt dieses oder jenes zu tun. Die entscheidende Frage ist, was für eine Motivation führt zu diesem Verhalten.

Mit jahrelanger Kenntnis des Enneagramm ist es möglich Menschen anhand der 9 Stile schnell einschätzen zu können. Man kann schnell erfassen, was für eine Motivation zu dem beobachteten Verhalten führt. In manchen Fällen ist dies jedoch schwer, vor allem wenn Menschen mit Neurosen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen überlagert sind und man ihren Wesenskern und ihre Motive daher nicht klar erkennen kann. Gleichzeitig (paradoxerweise) ist es so, dass z.B. Persönlichkeitsstörungen (wie auch ihre Akzentuierungen) den ursprünglichen Kern der Persönlichkeit und seine Wachstumspotenziale aufzeigen.

Um den Unterschied zwischen Verhalten und Motivation (Fixierung) klarer darzustellen, bedienen wir uns eines Beispiels. Nehmen wir als Beispiel den Ennea-Stil 2. Eine häufige Bezeichnung ist „der Helfer“. Durchaus kann man betonen, dass das Helfen des „Helfers“ auf der Verhaltensebene gegenüber den anderen Ennea-Typen überwiegt, jedoch darf nicht unterschlagen werden, dass die anderen Ennea-Typen auch „helfen“. Eine verdeckte Motivation des „Helfers“ kann es sein, dass er von den Menschen welchen er hilft, unbewusst erwartet, dass diese seine ihm unbewusst gewordenen oder unterdrückten Bedürfnisse erkennen, anerkennen und befriedigen. Auf den Punkt gebracht bedeutet es, dass die „Liebe“ die der Enneagramm-Typ 2 in einen anderen Menschen „investiert“, er „auch“ erhalten möchte. Aufgrund defizitär erlebter Liebe in der Vergangenheit, geht der Helfer in positiver Absicht auf die Handlungsebene um dafür „zurückgeliebt“ zu werden. Zumindest in einem unreifen Zustand. Im reifen Zustand hilft der Helfer wesentlich selbstloser.
Nochmal anders erklärt: Der Helfer verdrängt (Abwehrmechanismus) emotionale Bedürfnisse auf der Empfindungsebene, hilft anderen auf der Handlungsebene ihre Bedürfnisse zu erfüllen, erwartet aber unbewusst auf der Empfindungsebene einen Ausgleich. Entsteht kein Ausgleich, fühlt (Empfindungsebene) sich der Helfer emotional verletzt bis gekränkt.

Als weiteres Beispiel sprechen wir über den Ennea-Stil 8, den Herausforderer. Er wird auch „Macher“ oder „Boss“ genannt. Auch er hilft anderen. Aber mit einer anderen Motivation im Hintergrund. Der Macher verdrängt (Abwehrmechanismus) existenzielle Bedürfnisse auf der Handlungsebene, hilft anderen auf der Handlungsebene ihre Bedürfnisse zu erfüllen (teils die von ihm suggerierten), erwartet aber unbewusst (bis bewusst) auf der Handlungsebene (und Haben-Ebene) einen Ausgleich. Entsteht kein Ausgleich, wird (Handlungsebene) der Macher wütend bis gewalttätig.

Um den Einheitskreis noch vollständiger zu besprechen, sei noch erwähnt, dass jeder Typ einen Flügel, einen auf ihn wirkenden Typ-Nachbarn, besitzt.
Am Beispiel des Ennea-Typs 2: Der Helfer kann entweder den Flügel des Enneagramm-Typen 1 oder den Flügel des Enneagramm-Typen 3 haben.
Darüberhinaus gibt es noch für jeden Enneagramm-Typen einen Subtypen. Ein Subtyp kann sozial, selbsterhaltend oder sexuell sein.

Kommentar: Subtypen weisen eine 3er Struktur auf. Ich ziehe hier in Erwägung, dass es sich dabei um Körperstrukturen, also körperbedingte Muster, handelt. Im Grunde genommen geht es jedem Ennea-Typen um diese 3 Aspekte, auch wenn manches dieser Aspekte mal mehr, mal weniger im Vordergrund steht. Ich gehe davon aus, „dass, wenn das Enneagramm vollständig wäre“, es sich mit diesen Subtypen anders verhalten würde. Eine vollständigere Zuordnung dieser 3 Aspekte findest Du dann später im Endom.

Wie Du anhand meiner Abhandlung sehen kannst, gibt es viele Möglichkeiten sich im Enneagramm zu bestimmen. Seinen eigenen Typen zu finden, dann seinen Flügel und dann noch seinen Subtypen. Das kann herausfordernd sein, und man kann sich nicht wirklich sicher sein, ob diese gefundene Zuordnung stimmt.
Wenn wir dann noch beachten, dass wir die im Internet angebotenen Enneagramm-Tests mit Einfluss unserer Abwehrmechanismen machen, einbeziehen, dass sich unser Hormonsystem ernährungsbedingt, zyklusbedingt und jahreszeitenbedingt ändert, können wir erahnen wie schwer eine korrekte Typisierung ist.
In meinem Verständnis ist der Mensch viel dynamischer in seinem Wesen, und so kann meines Erachtens diese fast statische Persönlichkeitstypologie wenig Bewegungs- und Entwicklungsraum bieten.

Energiezentren im Enneagramm

Rot = Bauch-Zentrum, Grün = Herzzentrum, Blau = Kopfzentrum

Das Enneagramm-Symbol kann in 3 Zentren der Intelligenz unterteilt werden. Andere Begriffe sind „Energie-Zentren“ und „Triaden“.

Rötlich markiert ( 8 – 9 – 1 ) sehen wir das Bauch-Zentrum. Auch Instinkt-Triade genannt.
Grünlich markiert ( 2 – 3 – 4 ) finden wir das Herz-Zentrum. Auch Gefühls-Triade genannt.
Bläulich markiert ( 5 – 6 – 7 ) erkennen wir das Kopf-Zentrum. Auch Denk-Triade genannt.

Übereinstimmend darf man sagen, dass ein Zentrum, also eine Triade, dominiert, während jeder Mensch jedes Zentrum, also jede Intelligenz, nutzt.

Kommentar: Bei dieser Einordnung der Zentren ergibt sich für mich folgende Problematik: Wenn ich ein Enneagramm-Typ 3 bin, ist es mir möglich den Flügel 2 oder Flügel 4 zu haben. Sowohl mein Haupttyp als auch meine möglichen Flügel befinden sich innerhalb des gleichen Energiezentrums. Bin ich dagegen ein Enneagramm-Typ 2, habe ich entweder den Flügel 1 oder den Flügel 3.Habe ich den Flügel 3, habe ich ihn in meinem eigenen Energiezentrum, habe ich jedoch den Flügel 1, habe ich diesen Flügel in einem anderen Energiezentrum. Was ich hier bemängele, ist, dass es hier keine eindeutige Zuordnung in Bezug auf „Flügel“ gibt. Einerseits habe ich als Ennea-Typ 3, 6 und 9 Flügel immer im gleichen Energiezentrum, aber als einer der anderen Typen zu 50 % in einem anderen Energiezentrum. Wie ist das begründbar? Ich kenne keine plausible Begründung.

Vorläufiges Fazit: So wundervoll das Enneagramm am Anfang für die Persönlichkeitsentwicklung ist, da man sich gut erkennen und reflektieren kann (sofern man seinen Typen korrekt bestimmt hat), ist m. E. die tatsächliche Entwicklung schwierig, sofern man sich an die gängige Enneagramm-Literatur hält.
Die verschiedenen Qualitäten und Fixierungen der „Stile“ sind nützlich auf dem Weg der Selbsterkenntnis, mit einer Einschränkung (hinsichtlich der Anzahl der Typen), die wir im Endom herausarbeiten werden. Aufgrund der persönlichen Erfahrungen kann ich sagen, dass die Veredelung der Seele und die Sublimierung des Charakters mit dem Enneagramm als Navigator unzufriedenstellend ist.

Das Gesetz der 3 – Das Dreieck im Enneagramm

Das Dreieck im Enneagramm

Die geometrische Struktur des Dreieckes innerhalb des Kreises ( symb. göttliche Natur, Essenz des Lebens, Vollkommenheit ) soll das Prinzip der Dreifaltigkeit ( Trinität ) zum Ausdruck bringen. Es werden philosophische Konzepte wie These / Anti-These / Synthese einbezogen, aber auch Schöpfungsprinzipien wie Erschaffen / Erhalten / Zerstören. Dieses Dreieck wird als der Gegensatz zu dem unregelmäßigen Sechseck, das nachfolgend illustriert wird, gesehen. Das Dreieck soll Ausdruck für die Ordnung sein, während das Sechseck ein Ausdruck für das Chaos sein soll.

Kommentar: An dieser Stelle frage ich mich bezogen auf den Menschen, ob denn dann ein Enneagramm-Typ 3 im unbewussten Zustand rein aufgrund seiner Lage im Enneagramm in der Ordnung lebt, während der Enneagramm-Typ 2 im unbewussten Zustand rein aufgrund seiner Lage im Enneagramm im Chaos lebt?

Das Gesetz der 7 – Das Sechseck im Enneagramm

Das Sechseck im Enneagramm

Die Bedeutung des Sechsecks wird insbesondere durch das Gesetz der 7 herausgestellt. Bei dem Gesetz der 7 handelt es sich um eine arithmetische Division, bei welcher eine natürliche Zahl, welche kein mehrfaches von 7 ist, durch 7 geteilt wird. Dazu ein Beispiel. 1 durch 7 ist gleich 0,142857143. 2 durch 7 ist gleich 0,285714286. Betrachten wir das Sechseck im Enneagramm, entdecken wir in dieser errechneten Zahlenfolge die nummerierten Ziffern der jeweiligen Enneagramm-Typen.
Bevor ich auf meinen Einwand gegenüber dem Sechseck eingehe, möchte ich noch betonen, dass die Typen (Stile) 1 bis 9 sowohl im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung als auch zur Gestaltung einer Psychotherapie zumindest am Anfang äußerst hilfreich sind. Bei sehr guter Kenntnis des Enneagramms kann man meiner Erfahrung nach bei 95 von 100 Menschen eine schnelle Zuordnung erreichen, welche sich bei einer längeren Begleitung bestätigt. Vielleicht noch als klärende Ergänzung, was ich mit einer guten Kenntnis meine. Da wir beim Enneagramm und seinen Typen von verschiedenen Persönlichkeiten sprechen, und von diesen in verschiedenen Reifestufen (unbewusster bis bewusster Zustand), müssen wir für eine gute Kenntnis das Wissen über die Persönlichkeitsstörungen in ihren verschiedenen Ausprägungen besitzen.

Jetzt zu meinem Einwand, bezogen auf die Integrations- und Desintegrationslinien im Sechseck. Vor allem aufgrund der Erfahrung von tiefenpsychologischen Langzeittherapien kann ich sagen, dass sich die Entwicklung eines Patienten in so gut wie allen Fällen anders verhalten hat, als es die lineare Entwicklung im Sechseck anzeigt. Diese Beobachtung gilt auch für das Dreieck. Es ist in Frage zu stellen, warum sich die Richtungen der Entwicklung einer Persönlichkeit aufgrund dieser besonderen Rechenformel ergeben sollen. Hier eine Beziehung herzustellen ist mir zu gewollt. Andererseits kann ich mir aufgrund eigener anfänglicher Begeisterung erklären, dass man bei einer allgemeinen Begeisterung für das Enneagramm über diese offensichtlichen Fehler durch eine „hypnose-artige Sympathie“ über diese fehlerhaften Bezüge hinwegsieht. Im nachfolgenden Abschnitt gehe ich auf diese Fehler ein.

Weg der Desintegration und Integration im Enneagramm

Wege der Integration im Enneagramm
Wege der Desintegration im Enneagramm

Einleitend sei gesagt, dass der Weg der Integration durch Entspannung entsteht während der Weg der Desintegration durch Stress bzw. Anspannung entsteht.
Die Grundlage dieser entgegengesetzten Wege ist unser oben angesprochenes Sechseck.

Zur Diskussion stellen wir jetzt die Wege der Ennea-Typen 5 und 7 im Kopfzentrum, die Wege von 2 und 4 im Herzzentrum und weiter folgend die Wege von 8 (Bauchzentrum) und 2 (Herzzentrum). Die jeweiligen Wege (Linien mit Pfeilen) sind farblich hervorgehoben.
Eine erste Frage die sich mir auftut, ist, warum wechselt Typ 5 bei Stress in die 7 und bleibt damit im Kopfzentrum, wie es die 4 bei Stress in die 2 macht und im Herzzentrum bleibt? Denn die 7 wiederum wechselt bei Stress in die 1 und damit einhergehend in das Bauchzentrum. In dieser Logik sollte die 1 bzw. die 8 bei Stress innerhalb des Bauchzentrums wechseln, und nicht in ein anderes Zentrum. Zudem sollte die 1 bzw. die 8 bei Entspannung zur jeweils anderen wechseln. So würde sich eine Logik im Enneagramm mit den 3 inkludierten Energiezentren ergeben. Diese Logik finden wir jedoch nicht.
Wir können einwandfrei erkennen, dass sich bezogen auf das Sechseck, eine Symmetrie im Enneagramm aufgrund der grafischen Darstellung ergibt, aber diese Symmetrie hat keinen Bezug auf die Energiezentren.

Die Horney-Gruppen im Enneagramm

Horney-Gruppen: Rot = Hinwendung, Grün = Zuwendung, Blau = Abwendung

Die Psychoanalytikerin Karen Horney schlägt in einer Klassifizierung 3 Gruppen im Enneagramm vor. Bei dieser Klassifizierung soll sich eine Gruppe bei einer spontanen Reaktion auf eine Situation spezifisch und unterscheidbar verhalten. Eine Gruppe umfasst die Typen 8, 7 und 3 welche mit Hinwendung – im Sinne eines aggressiven Tuns – reagieren. Die nächste Gruppe umfasst die Typen 1, 2 und 6 welche mit Zuwendung – im Sinne einer gefügigen Anpassung – reagieren. Die letzte Gruppe umfasst die Typen 4,5 und 9 welche mit Abwendung – im Sinne eines entziehenden Rückzugs – reagieren.

Hier sehen wir eine Gruppierung aufgrund von 3 gleichschenkeligen Dreiecken. Ein Versuch durch eine „weitere“ Ordnung die verschiedenen Typen auf der Verhaltensebene zu erfassen.
Was bei genauer Betrachtung der Geometrie auffällt, ist, dass jeder der 3 Typen innerhalb einer Gruppe einer jeweils anderen Triade (Energiezentrum) angehört.

Nehmen wir jetzt diese Klassifizierung von Horney unter die Lupe. Als 1. Beispiel greifen wir den Typ 9 auf, welcher auf eine Situation mit einem entziehenden Rückzug spontan reagieren soll. Und hier kann ich sagen, wenn es diese Flügel gibt, dass der Typ 9 mit einem Flügel 1 mit einer Abwendung reagieren kann, aber nicht zwangsläufig Typ 9 mit einem Flügel 8. Typ 9 mit Flügel 8 kann sich zuwendend wie hinwendend, produktiv wie schützend verhalten. Als 2. Beispiel Typ 4. Wenn wir bei einem Typ 4 die neurotischen Schichten erfolgreich aufgearbeitet haben, kann ich bei einer gewandelten Persönlichkeit nicht von einem entziehender Rückzug sprechen. Ich habe mit meinen Patienten andere Erfahrungen gemacht. Sowohl in der erzählten wie mit ihnen erlebten Erfahrung.
Nehmen wir als ein weiteres Beispiel Typ 2, den Helfer. Führen wir zunächst die Verhaltensmuster gemäß Horney für die Typen 3, 7, 8 aus. Typ 3 sorgt für das Erreichen der Ziele, Typ 7 sorgt dafür, sich nach dem Plan (Vision) auszurichten während zuletzt Typ 8 für das Anpacken sorgt. Was macht dann aber Typ 2? Gemäß Horney, wirkt Typ 2 ein, um andere zu fördern bzw. helfend für andere zu sorgen. Wenn Typ 2 das macht, macht Typ 2 nicht dann das, was Typ 3, Typ 7 oder Typ 8 machen?
Als letztes Beispiel sei über Typ 1 angemerkt, der spontan „gefügig angepasst“ reagieren soll, dass dieser Typ „aggressiv“ reagieren kann wie beispielsweise Typ 8. Umgekehrt genauso. Typ 8 kann sich äußerst zuwendend zeigen, z. B. in Situationen existenzieller Herausforderungen. Auch in einer spontanen Reaktion auf eine überraschende Situation.

Der Klassifizierung nach Horney fehlt die Berücksichtigung der unterschiedlichen Reifestufen bzw. Entwicklungsstände und der Wirkung von Flügeln in Bezug auf die Typen.

Mir fällt an diesen geometrischen Versuchen (Dreieck, Sechseck, Horney-Gruppen, Polaritäten) auf, dass diese einerseits eine statische Sicht auf Persönlichkeiten fördern, während sie sich gegenseitig teilweise bis ganz widersprechen. Ich vermisse eine dynamischere Perspektive auf das Verhalten als auch auf das Motivsystem des Menschen.

Polaritäten nach Claudio Naranjo

Claudio Benjamín Naranjo Cohen war ein chilenischer Psychiater und Gestalttherapeut, der 2 Polaritäten im Enneagramm entdeckte.

Polarität sozial – antisozial

Polarität nach Naranjo: Sozial – Antisozial

Auf der rechten Seite sind die Typen 1 bis 4, die laut Naranjo gegenüber den Typen 5 bis 8 sozialer sein sollen, während diese eher antisozial gesehen werden. Die Typen 1 bis 4 neigen eher zu hysterischem Verhalten (Verführung, weiblicher Pol) während die Typen 5 bis 8 eher psychopathisches Verhalten (Rebellion, männlicher Pol) sichtbar machen.

Dieser Einordnung kann ich größtenteils zustimmen, gerade was die geschlechtliche Einordnung betrifft. Bei den Typen 1 bis 4 haben wir meiner Erfahrung nach mehr Frauen als Männer und umgekehrt. Typ 8 repräsentiert klassisch den Mann und Typ 1 repräsentiert klassisch die Frau. Eine Sichtweise darauf kann sein, dass die Frau durch ihre biologische Aufgabe das Kind zur Welt zu bringen und als erste Bezugsperson, als Mutter, verfügbar zu sein, die Frau per se sozialer macht.

Führen wir jetzt einen Vergleich mit den Horney-Gruppen, entdecken wir Aspekte zu den Typen die nicht miteinander vereinbar sind. Typ 6 wird bei Horney sich als gefügig anpassend und im weiteren Sinne sich anderen „zuwendend“ gesehen, während sich Typ 6 bei der Polarität nach Naranjo im antisozialen Feld findet, und zu psychopathischem Verhalten neigt. Ohne die tiefen psychischen Schichten einer Persönlichkeit zu kennen, entdecken wir hier einen massiven Widerspruch in der Betrachtung von Typ 6. Kennen wir die Psychodynamik von Typ 6, können wir Horney wie Naranjo recht geben. Denn Typ 6 ist eine soziale Persönlichkeit, im Sinne Horney’s. Aber aufgrund dieser „inneren Pflicht“ zur gefügigen Anpassung und Zuwendung, kann der Typ 6 äußerst leicht für psychopathische Projekte, antisoziale Vorhaben (z. B. Kriege oder Einschränkung von Bürgerrechten) instrumentalisiert werden. In seinem Selbstbild ist er weiterhin sozial, passt sich der Situation ,die das Feindbild heraufbeschwört, gefügig an und tut alles um die allgemeinen Bedürfnisse, die konträr den Einwirkungen des Feindbildes sind, zu erfüllen. Das kann Typ 6 dann mit der Aggression eines Typs 8 tun.
In diesem tiefen Verstehen können wir hier Brücken bauen, zwischen Horney und Naranjo.
Vergleichen wir diese beiden Klassifizierungen, können wir entdecken, dass sowohl Horney als auch Naranjo die Verhaltensebene der Typen adressieren. Und hier finde ich jetzt bei Naranjo einen entscheidenden Fehler. Typ 6 verhält sich sozial, in Bezug auf das allgemeine Bedürfnis ( „das Bedürfnis, das offiziell propagiert wird“ ), die Motivlage ist entsprechend sozial, aber die Auswirkungen des Verhaltens können antisozial sein. Dies kann dann aber erst mit Nachlassen der Hypnose erkannt werden, nicht während der Hypnose.

Kurz noch eine Erwähnung zum Typ 3. Während bei Naranjo Typ 3 zu den sozialen Typen zählt, wird bei Horney dieser Persönlichkeitsstil mit „sorgt für das Erreichen der Ziele“ beschrieben wird. Sehr oft hat Typ 3 im unreifen Zustand jedoch das Ziel, seine „Hinwendung“ lediglich für die eigenen Ziele einzusetzen und sich zunächst egoistisch zu befriedigen. Motiv und Verhalten sind tendenziell antisozial ausgerichtet.

Vorläufiges Fazit: Solche Klassifizierungen differenzieren nicht klar genug zwischen Motiv, Verhalten, Wirkung und Resultat. An der Oberfläche betrachtet hat jede Klassifizierung Ihre Berechtigung, aber im Gesamtkontext menschlichen Verhaltens und Erlebens wird sie an manchen Stellen weniger als relativ relevant.

Es kann der Einwand erhoben werden, diese jeweiligen Klassifizierungen getrennt und jeweils für sich zu betrachten. Diesen Einwand kann ich jedoch nicht gelten lassen, da sich beide Klassifikationssysteme noch auf ein und dasselbe Enneagramm und ein und dieselben Typen beziehen.

Polarität Sensibilität – Heftigkeit

Polarität nach Naranjo: Heftigkeit – Sensibilität

Zu dieser Polarität möchte ich meine eigenen subjektiven Eindrücke zu einigen Typen darstellen. Erlebe ich Typ 4 in einem emotionalen Drama, erlebe ich Heftigkeit im Verhalten. Was ich nicht erlebe ist, eine Sensibilität. Natürlich, die Heftigkeit im Verhalten resultiert aus der Sensibilität im Herzen. Bei Typ 1 erlebe ich das emotionale Drama nicht als heftiges Verhalten, aber als heftige Körperreaktionen. Bedeutet, dass Typ 1 ebenso ein hohes Maß an Sensibilität besitzt, diese aber aufgrund der „gefügigen Anpassung“ an seine Mitmenschen eher nach Innen richtet und dann in seiner Innerlichkeit – primär Körper – in seiner Heftigkeit zu spüren bekommt.

Was können wir erkennen, anhand von Typ 1 und Typ 4? Beide haben ein hohes Maß an Sensibilität, aber die Heftigkeit im Sinne einer Reaktion auf ein emotionales Drama ist bei Typ 1 nach innen gerichtet und bei Typ 4 nach außen.

Die Sicht Naranjo’s, dass sich Typ 8, der ich bin, für Verletzungen unempfindlich gemacht hat, sich zufrieden fühlt kann ich nicht stehen lassen. Wegen mir nicht und wegen der anderen Achten nicht, die ich privat erlebt oder therapeutisch begleitet habe. Die 8 läuft mit offenen Wunden herum und reagiert mit „Heftigkeit“ auf diese den offenen Wunden geschuldete Sensibilität.

Bei eingehender Betrachtung der Persönlichkeitsstile entdecken wir bei jedem dieser die Sensibilität und die Heftigkeit, aber in jeweils unterschiedlicher Wechselbeziehung durch die möglichen Richtungen innen und außen.

Die 1. Veränderung therapeutischen Arbeitens im Enneagramm

Kreislauf der Entwicklung im Enneagramm

Wenn wir in dieser Herleitung im Text zurückblicken, erinnern wir uns, dass ich das Sechseck und die damit einhergehenden Linien (Wege) der Integration wie der Desintegration in Frage gestellt habe.
Im Jahr 2021 habe ich während meines Sabbatjahres neue Überlegungen zum Enneagramm angestellt. Damals noch im Enneagramm-Denken bleibend überlegte und skizzierte ich mitsamt den Erfahrungen aus meiner Behandlungspraxis innerhalb der Enneagramm-Struktur neue Entwicklungswege.

Im Bild oben ist das Bauchzentrum farblich betont. Auf diesem will ich hinsichtlich der 1. Veränderung therapeutischen Arbeitens im Enneagramm genauer eingehen.

Ein Rückblick: Der Typ 8 soll auf dem Weg der Evolution (Integration) in den Typ 2 gehen. Typ 8 kann viel von Typ 2 lernen, soll einiges nachahmen und sich dadurch weiterentwickeln. Dieser Integrationsweg ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, auf die ich näher eingehen möchte.

Wenn wir zu den Persönlichkeitsstörungen schauen, ist Typ 8 die antisoziale Persönlichkeit, bis hin zur Dissozialität und Psychopathie.
Nutzen wir ein extremes Beispiel. In diesem Beispiel ist Typ 8 ein Zuhälter, der „seine“ Frauen, die Prostituierten auf die Straße schickt. Sie verdienen auf dem Straßenstrich Geld, müssen ihm das Geld aber ganz oder teilweise überlassen.
Damit die „Prostituierten“ Geld verdienen können, verhält sich Typ 8 äußerst hilfreich. Er ist ein „Helfer“. Typ 8 hilft seinen „Huren“ dabei, Geld zu verdienen. Die 8 tut alles dafür, sie verteidigt ihr Revier. Es soll kein anderer in das Revier eindringen. Es ist Freiern erlaubt, nicht aber anderen Zuhältern. In diesem Sinne schützt Typ 8 in einem desintegrierten Zustand seine „Huren“ und hilft ihnen, zumindest solange seine „Hure“ für ihn Geld verdienen geht.
Aus diesem Grund ist es meines Erachtens nicht förderlich, zu sagen, Typ 8 müsse auf seinem Weg der Integration in das Feld von Typ 2. Typ 8 macht das , aber auf seine eigene Art. Daher sollte zu den ersten wichtigen Erkenntnissen eines sich im destruktiven Zustand befindlichen Typ 8 gehören, dass seine „Hilfe“ „berechnend“ ist.
Daher ist der Weg von der 8 in die 2 nicht zu empfehlen, denn dies kann die Destruktivität „unbewusst“ verstärken. Typ 8 neigt dazu, sich von seiner „Hilfe“ insgeheim etwas zu verhoffen.

Vorläufiges Fazit: Dieses Beispiel macht klar, dass die Wege von Integration und Desintegration im Sechseck nicht zielführend und entwicklungsfördernd sind.

Mit dieser Erkenntnis und anderen Reflexionen kommen wir jetzt zur Besprechung der 1. Veränderung therapeutischen Arbeitens mit dem Enneagramm.

Gleich ob Typ 8 „eigennützig“ oder „selbstlos“ hilft, und Typ 8 hilft auch immer wieder „selbstlos“, da er ein großes Gerechtigkeitsempfinden haben kann und sich zudem gerne in der Rolle des „Macher“ erlebt, ist der von mir skizzierte Weg eher zu empfehlen.

Schauen wir uns aber dazu noch folgende Abbildung an.

Enneagramm in der Spirale

Die dargestellte Spirale soll hier nicht allzu im Vordergrund stehen, sondern zur Erfassung der Z-Achse (vertikale Hierarchie) dienen. Nur so viel sei dazu angemerkt: In einer dynamischen Entwicklung im Enneagramm durchwandert der Mensch mehrere Bewusstseinsebenen im Zuge seiner Evolution. Aber kommen wir jetzt zurück zur 1. Veränderung.
Wir sehen rechts im Bild die Typen 8 bis 2 in einer vertikalen Steigung. Damit ist eine Hierarchie und ein Weg der Evolution vorgegeben.

Nehmen wir nochmal den Bezug zum vorgeschlagenen Weg der Entwicklung: die 8 geht in die 2. Nehmen wir jetzt an, die 8 kennt sich bereits gut, ist gut reflektiert und hilft in der 2. Und jetzt geht es schief, etwas klappt nicht. Ein Konflikt entsteht. Jemandem geht es nicht gut. Der 8 in der 2 oder der, dem die 8 geholfen hat. Es entsteht eine Disharmonie. Was der Fall ist, wenn die 8 noch nicht entwickelt ist. Die Folge ist der „Absturz“. Es geht dann Knall auf Fall „runter“ in die 8.
Denke Dir dieses Bild an der Spirale. Du nimmst als 8, als „Macher“, den Weg nach oben auf dich in die 2 (Gipfel). Jetzt klappt etwas nicht und Du rutscht den ganzen „Weg“ wieder hinunter in dein „Basislager“. Oftmals ist es dann so, dass im Typ 8 Wut entsteht und nach Außen ausagiert wird. „Dann sind alle anderen Schuld, nur ich nicht.“

Zusammengefasst: Die 8 hat die Kraft in die 2 zu gehen. Im Unbewussten, nicht erlösten Zustand, hat sie jedoch nicht das Vermögen sich „oben“ in der 2 zu halten, bzw. zu stabilisieren wenn etwas schief geht. Und es geht immer etwas schief, so ist das Leben. Typ 8 kommt damit wieder in seinem Basislager an und verfestigt sich dort, denn dort macht Typ 8 nicht so eine schlechte Erfahrung. Das bedeutet, wenn ich als Typ 8 wieder eigennützig für den Schutz und die Schminke der Prostituierten sorge, geht es mir gut. Das ist meine Erfahrung. Also bleibe ich beim eigennützigen Helfen.

Diese Spirale hilft uns ein bisschen mehr zu verstehen, wie die Dynamik funktioniert. Sie führt uns in eine dynamische Struktur des Verhaltens.

Aus diesem dynamischen Geschehen von „steigen“ und „fallen“ bin ich zu folgenden Gedanken gekommen.

Dem Typ 8 im unbewussten Zustand fehlt ein gesundes „Über-Ich“. Zum besseren Verständnis müssen wir uns hier Freuds Strukturmodell des psychischen Apparates in Erinnerung rufen.
Grob gesagt, ist das Über-Ich unsere „moralische“ Instanz mit Forderungen im Sinne von „Geboten“ und „Verboten“. Auf der Gegenseite haben wir das Es. Das Es folgt dem Lustprinzip und stellt ebenso Forderungen, jedoch im Sinne von Bedürfnissen, Libido und Destrudo. Das Ich als Vermittler dieser sich widersprechenden Forderungen versucht zu vermitteln. Das Ich entscheidet im „bewussten“ Zustand ob ein Es-Bedürfnis zugelassen wird, ob es aufgeschoben wird oder ob es darauf vollständig verzichtet.In einem unbewussten Ich entscheidet die Instanz, welche in Bezug auf die Umwelt aktuell stärker ist.

Und beim Typ 8 haben wir eine große Schwierigkeit mit dem Über-Ich. In der frühen psychischen Entwicklung gab es kein Über-Ich zu dem man Vertrauen aufbauen konnte, was zur Folge hat, dass Autoritäten nicht anerkannt werden. Zudem werden Männer nicht anerkannt. Ein Zuhälter ist immer im Konflikt mit einem anderen Zuhälter.
Wenn Typ 8 kein Über-Ich anerkennt, gibt es im Leben von Typ 8 keine Gebote und Verbote. Es gibt zwar Gesetze des Staates an die sich ein sich reflektierender Typ 8 „eigennützig“ hält, um seine Position nicht zu gefährden. Ist Typ 8 jedoch in der Pathologie, hält er sich nicht einmal mehr an die Gesetze des Staates und ist damit im Gefängnis. Er ist sozusagen in der Position, das seine Lage nicht mehr gefährdet (Gefängniszelle als maximale Regression in den Mutterleib).
Beim Typ 8 gibt es ein starkes Es ohne einen Widersacher. Die Folge bei Typ 8 ist diese Wolllust. Das Ich ist nicht mehr „gefordert“ zwischen den Bedürfnissen des Es und den Geboten und Verboten des Über-Ich zu vermitteln. Das Spielfeld von Typ 8 besteht dann fast nur noch aus den Wünschen und Bedürfnissen des Es.

Es, Ich, Über-Ich Strukturen im Bauchzentrum

Das oben stehende Bild fasst es mit den hinzugefügten Bezeichnungen gut zusammen. In einem unbewussten Zustand kann man sagen, Typ 8 (Es-Struktur) fehlen die Qualitäten von Typ 1 (Über-Ich-Struktur). Umgekehrt ist es genauso. Typ 1 hat ein ausgeprägtes moralisches Anspruchsdenken. Es fehlt die Wolllust der Es-Struktur.
Zusätzlich anhand dieses Bildes können wir zudem erkennen, dass wenn Typ 8 in das Feld der 2 geht, Typ 8 aufgrund des fehlenden Über-Ich nicht sicher wissen kann, ob das selbstlose „Helfen“ richtig ist. Im nicht reflektierten Zustand weiß die 8 daher nicht, ob ihr helfen eigennützig oder selbstlos ist.

Schaue ich mir alle bisher geäußerten Gedanken an, muss ich feststellen, dass Entwicklung so nicht funktionieren kann.

Entwicklungsweg im Enneagramm

Mein Vorschlag für einen gelingenden Entwicklungsweg:
Typ 8 hat eine Idee im Kopf, eine Handlung. Dieses „Das will ich jetzt machen.“ Jetzt geht Typ 8 in das Feld von Typ 9 und fragt sich: „Bringt mir das Frieden?“. Das Feld der 9 wird zu einer 1. Kontrollinstanz. Die 9 sagt hier nicht ob diese angestrebte Handlung verboten oder erlaubt ist. Typ 8 kann sich im Feld der 9 an der Qualität von Frieden reflektieren. „Bringt mir diese Handlung Frieden?“ Kommt im Feld der 9 die Antwort: „Ja, das bringt mir Frieden.“, geht Typ 8 weiter in das Feld der 1, dem Über-Ich. Dieses Über-Ich muss aber noch „erschaffen“ werden. Denken wir in der Biographie zurück: Das Über-Ich entsteht zuallererst durch die Eltern. Dann durch den Kindergarten, dann durch die Schule usw. Das Über-Ich der Eltern ist jedoch das wichtigste, dieses ist ausschlaggebend. Wenn aber das Über-Ich der Eltern nicht da war, oder wenn es aufgrund z. B. starker Traumatisierung abgelehnt wird, dann ist die 1. Aufgabe für Typ 8 auf dem Feld der Handlungen, der Bedürfnisse, der Instinkte sich eine moralische Instanz zu suchen, die der 8 sagt was erlaubt und was nicht erlaubt ist.
Nehmen wir zunächst an, Typ 8 erhält im Feld der 9 die Antwort, dass es ihm keinen Frieden bringt. Dann verwirft Typ 8 die Handlung. Er kann jetzt zwar in eine gewisse Unzufriedenheit gelangen, aber er erhält in seiner Umwelt und damit in sich den „Frieden“.
Ist die Antwort im Feld der 9 ein klares „Ja“, „Die Handlung bringt mir Frieden.“, dann geht Typ 8 in das Feld der 1, in die von ihm ausgesuchte moralische Instanz. Sie kann z. B. therapeutisch vereinbart werden, sie kann literarisch gefunden werden, sie kann ein historisches Vorbild sein, sie kann Gott sein.
Im Feld der 1 stellt sich Typ 8 die Frage, „Bleibe ich mit dieser Handlung im Frieden?“. Bei einem „Nein“ bricht die 8 ab, bleibt aber im Frieden. Bei einem „Ja“ geht die 8 noch einmal bewusst in das Feld der 9, stellt sich seine Handlung imaginativ vor und stellt sich erneut die Frage „Fühlt sich meine angestrebte Handlung nach wie vor friedlich an?“. Lautet die Antwort „Ja“, geht Typ 8 in das Feld der 8 und führt die Handlung aus.

Damit ist die 1. Veränderung in Bezug auf das Enneagramm erklärt. Ich möchte dies jedoch noch ausführlicher darstellen, um noch mehr von der Tiefe die das Enneagramm bietet, zu erhalten. Wenn wir die Instinkt-Triade, das Bauchzentrum, als 100% betrachten, dann hat jeder der 3 Typen 33,3% Anteil. Benennen wir jetzt diesen Anteil als z.B. Kraft, erkenne ich, dass wenn Typ 8 mit 33,3% Kraft in das Herzzentrum ( in das Feld der 2 ) geht, geht er schwach hin. Im fehlen die 66,6% an Kraft von Typ 9 und Typ 1. Das Risiko eines „Falles“ auf eine niedrigere Reifestufe ist somit sehr hoch.
Integriert sich jedoch Typ 8 anhand des vorgeschlagenen Entwicklungsweges um die Qualitäten von Typ 9 und Typ 1, kann sie mit dem vollen Potenzial in das nächste Zentrum gehen. Auf diesem Weg hat Typ 8 gelernt sich zu regulieren. Die Perfektion der Steuerung seiner Handlungen im Bauchzentrum lässt die 8 mit voller Kraft in das Herzzentrum gehen. In dieser Weise gibt es erheblich weniger Rückfälle, eventuell auch gar keine mehr. Jetzt kann Typ 8 sich darüber Gedanken machen, ob und wie sie anderen hilft. Geht sie jetzt in die 2 und etwas geht schief, dann fällt die 8 nicht mehr zurück, es schleudert sich nicht mehr in das Feld der 8. Es kann sein, dass sie wieder zurück gehen muss, aber es ist jetzt kein freier Fall mehr.

Die 1. Veränderung führt in die 2. Veränderung

Blicken wir zum Gesetz der 7 zurück, den damit einhergehenden Linien von Integration und Desintegration, finden wir in Bezug auf die 3 Intelligenz-Zentren (Bauch, Herz, Kopf) keine Ordnung vor.
Durch den von mir vorgeschlagenen Entwicklungsweg (noch innerhalb des Enneagramm-Modells) ergibt sich aber eine Ordnung. Genauer gesagt, Sie wird offensichtlich. Sie zeigt sich. Sie war da. Diese Ordnung bildet sich in den Strukturen von Freud`s Strukturmodell ab.
Enneagramm-Typ 8 ist das Es im Bauchzentrum. Enneagramm-Typ 9 ist das Ich und Enneagramm-Typ 1 ist das Über-Ich im Bauchzentrum.
In weiterer Betrachtung ist Typ 2 das Über-Ich des Herzzentrums, Typ 3 ist das Ich und Enneagramm-Typ 4 ist das Es im Herzzentrum.
Enneagramm-Typ 5 ist wiederum das Über-Ich der Kopftypen, Typ 6 ist das Ich und Enneagramm-Typ 7 ist das Es der Kopftypen.

In weiterer Betrachtung erkennen wir, dass wir es mit 3 verschiedenen Es, Ich und Über-Ich zu tun haben. Das bedeutet, dass das Über-Ich des Bauchzentrums eine andere Bedeutung haben muss, als das Über-Ich des Herzzentrums oder des Kopfzentrums.

Die Psychodynamik von Enneagramm-Typ 1

Zunächst sei eine Abbildung zur Verdeutlichung des psychodynamischen Geschehens beim Enneagramm-Typ 1 angeführt.

Psychodynamik von Enneagramm-Typ 1

Im allgemeinen Enneagramm-Wissen wird dargestellt, dass Typ 1 im unbewussten Zustand bei Stress in das Feld der 4 geht aber für eine gute Entwicklung in das Feld der 7 gehen sollte. Diese Beobachtungen konnte ich sowohl in der Behandlungspraxis als auch im persönlichen Umfeld niemals beobachten. Ich habe immer nur beobachten oder deuten können, dass Typ 1 bei „Integration“ in das Feld der 8 geht, bei Desintegration aber auch in das Feld der 8. Hat Typ 1 enorm viel „Frust“ in seinem Feld angestaut, kann es zu einer plötzlichen Entladung im Feld der 8 kommen, was von außen moralisch angeprangert werden kann, da es zum Ausleben der „Wolllust“ kommen kann.

Fazit zu den bisherigen 2 Veränderungen:
Für mich gibt es die Enneagramm-Typen 3, 6, 9 nicht mehr als Typen, nicht als Persönlichkeiten. Die Qualitäten dieser Zahlen sind für mich eher Orte, Zentren. Aus dem Zentrum der 9 schaue ich aus mir in das Feld der 8 und in das Feld der 1. Die 9 ist somit ein vermittelndes Prinzip dieser gegensätzlichen Kräfte.Die 3, 6 und die 9 sind mehr Fähigkeiten als Eigenschaften.

Neue Strukturen aus dem Enneagramm

Mithilfe des Enneagramms konnte ich somit in diesem neue Strukturen aufgrund der 3 Körperzentren Kopf – Herz – Bauch finden und herausarbeiten.

Nachfolgend neue Darstellungen dazu.

Introvertierte und extrovertierte Enneagramm-Typen

In dieser Abbildung erkennen wir nicht nur die 3er Ordnung von Kopf, Herz und Bauch, sondern darin wiederum die 3er Ordnung der beiden Typen und dem dazwischen agierenden Vermittler. Die sogenannten Enneagramm-Typen 6, 3 und 9 ( Ich-Funktion ) sind hier jeweils zentral angelegt und in der dem Körper entsprechenden Ordnung hierarchisch angeordnet.
Die Enneagramm-Typen 7, 4 und 8 sind eher extrovertierte Persönlichkeiten, während die Enneagramm-Typen 5, 2 und 1 eher introvertierte Persönlichkeiten darstellen. Im alten Enneagramm-Denken habe ich die Enneagramm-Typen 6, 3 und 9 noch als sich ambivertiert verhaltend wahrgenommen.

Erweitertes Strukturmodell nach Sigmund Freud im Enneagramm

Wenn wir die 3 Zentren des Körpers in Bezug zum Strukturmodell Sigmund Freuds definieren, dann können wir das Bauchzentrum als Es-Struktur bezeichnen, das Herzzentrum als Ich-Struktur und das Kopfzentrum als Über-Ich-Struktur.
Damit lässt sich die Psychodynamik der einzelnen Typen klarer erkennen. Enneagramm-Typ 8 können wir dann beispielsweise als eine Es-Es-Struktur erkennen, während wir z. B. Enneagramm-Typ 4 als Es-Struktur auf der Ich-Struktur erkennen. Typ 4 ist damit das Es der Beziehungstypen.
Hieraus ergibt sich aber die Aufgabe, herauszuarbeiten, was ein Über-Ich auf der Kopfebene, auf der Herzebene und im Vergleich dazu auf der Bauchebene bedeutet.
Die Grundidee zu diesem 3 x 3 Strukturmodell leitet sich ursprünglich aus meiner 2. Herleitung zum Endom ab.

Das philosophische Gebilde von These – Anti-These und Synthese im Enneagramm

Im letzten Bild gehe ich auf die philosophische Struktur dieser Typologie ein, genauer genommen sollte man von einer psycho-physikalischen Typologie sprechen. Dazu nur kurz: Eine Persönlichkeit des Bauchzentrums verwirklicht im Feld der 1 die These (denke an: Dia-Negativ) in Bezug auf Moral, besser: Ethik. Gleichzeitig realisiert sie im Feld der 8 die Anti-These (denke an: Dia-Positiv) in Bezug auf Handlung und Tat.

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